Im November nach Amsterdam

Es war nicht ganz fair, ein Städte-Trip — das geht doch gar nicht mit den beiden Fellnasen. Stimmt- und deshalb gab es für Gandalf und Morpheus eine Auszeit im Hundehotel Dercks in Straelen. Um es vorweg zu nehmen, den Beiden ging es dort saumäßig gut.

Das Hasi wurde also nur für die Zweibeiner bepackt. Nur das Nötigste kam mit. Der Plan war ganz einfach: mal raus, zwei Tage in eine große Stadt. Uns zog es nach Amsterdam.

Die Anfahrt war lustig. Das Navi bekam die Koordinaten vom Stellplatz (gefunden mit Park4night) eingegeben und blind sind wir der Stimme vertrauend den Anweisungen gefolgt. Die Streckenführung war merkwürdig, das haben wir schnell gemerkt. Doch wir hatten Zeit und Lust auf Abenteuer und so war die Anweisung- jetzt von der Autobahn abfahren- komisch, aber ok.

Und dann war die Straße einfach zu Ende. Da war ein Fluss und schwimmen kann das Hasi nun mal nicht. Also warten wir auf die kleine Fähre die uns dann für wenige Euronen auf die andere Seite gebracht hat.

Es war tatsächlich eine ungwöhnliche Anreise und bei schönsten Sonnenschein sind wir durch die Niederlande gereist. Fein. Und dann kam die Stadt und damit der Dunst, der uns leider zwei Tage begleitet hat.

Das Navi hat uns problemlos zum Stellplatz gelotst. Wir waren unsicher- die Fläche vom Platz war geschottert, der gesamte Platz extrem langweilig und hässlich. Hier ist einfach nur parken und übernachten angesagt. Doch um den Platz ist ein hoher Zaun, vorne gibt es Plätze mit Blick auf die City, der Weg in die Stadt ist extrem kurz und wir waren mitten im kultigen neuen Hafenviertel gelandet. Bleiben oder doch auf einen der Campingplätze war die Frage.

Wir sind geblieben. Am Eingang gibt es einen Automat, der war einfach zu bedienen. Achtung es kann nur mit Karte bezahlt werden. Ein Bargeldfach gibt es nicht. Wir haben es geschafft, das Tor ging auf und wir sind mit dem Hasi zur ersten Reihe vor gefahren. Strom ist vorhanden. (Abwasser, Wasser und Müll kann auch entsorgt, bzw. geladen werden)

Nach dem ersten Kaffee und einer groben Orientierung für die nächsten Stunden, ging es los. Wir laufen vom Platz nach links raus in die Richtung der Bootsanlegestelle. Hier gibt es einen kleinen gut belagerten Bäcker, doch die Wartezeiten auf die Fähre (Fußgänger und Fahrräder, keine Autos!) halten sich in Grenzen.

Die linke Fähre fährt direkt rüber zum Hauptbahnhof. Nett von Amsterdam…die Fahrten sind kostenfrei- so geht optimaler Personennahverkehr. Innerhalb weniger Minuten sind wir drüben und starten unsere Städtetour. Am Hauptbahnhof wird gerade gebaut und wir laufen ziemlich planlos los. Wir lassen uns einfach treiben. Ungewöhnlich, in der großen Stadt schließen viele Geschäfte bereits um 18:00 Uhr. Egal… wir wollen ja nur gucken. Und das macht in Amsterdam einfach viel Spaß. Jetzt ist es Ende November und wir haben scheinbar eine relativ gute Zeit gewählt. Die Anzahl der Touristen hält sich in Grenzen. Das Wetter ist ein bisschen usselig und es gibt nirgendwo Stress. Gelassen sitzen wir noch unter einem Gasstrahler und trinken eine heiße Schokolade. Um uns drum herum läuft das Leben und das ist in Amsterdam extrem bunt.

Auf dem Weg zurück zum Hauptbahnhof kommen wir an vielen Coffieshops vorbeit. Die Dunstwolken strömen auf die Straße und mir tun sämliche Servicekräfte in diesen Lokalen leid. Der Hasch riecht beißend nach Kraut- lecker ist doch anders. Uns fallen die vielen Angebote zu „Pilzen“ auf. An fast jedem Kiosk kann man legal Pilze kaufen. Niemals würde ich diese Pilze im Wald mitnehmen- das gesunde Misstrauen bleibt und wir fahren mit einer der späten Fähren wieder rüber zum Hasi. Da gibt es einen leckeren Whisky und ein schön warmes Bett.

pong pong pong…und das mehr als dreißig mal. So weckt uns die Baustelle direkt neben dem Stellplatz. Es ist erst gerade hell, so irgendwas um halb acht. Keine Aufstehzeit für eine Kurz Auszeit und tatsächlich schaffen wir es, noch einmal mit dem Rhythmus des Bohrhammers einzuschlafen. Pong pong pong zehn Uhr- Ok gewonnen. Wir frühstücken.

Nach dem Frühstück zieht es uns wieder in die Stadt. Doch zuerst wollen wir ein bisschen durch die kultigen Hallen wandern. In dem alten Trockendock und Schiffshallen haben sich Künstler und Handwerker angesiedelt. Wir lassen uns auf die ungewöhnliche Stimmung ein und staunen über coole Sachen und ziemlich schräges Zeugs.

Genial sind die Heizungen, umfunktioniert als Sitzbänke. Klick klick…Fotos… Idee gespeichert. 🙂 Der hohe Kran im Hafen hat früher die Schiffe ans Trockendock gehieft und ist heute ein ziemlich ungewöhnliches und teures Hotel. Erst zuhause haben wir die Buchungsmöglichkeiten entdeckt. Sehr schräg und echt mal was ganz anderes. Bei Booking.com zu finden!

Neben dem Fähranleger gibt es noch ein kultiges Lokal. Im Sommer tobt hier sicher das Leben, die Sonnenterrasse mit Blick rüber auf die Stadt lässt ahnen wir cool man hier abhängen kann. Doch auch jetzt im November lohnt der Besuch. Es brennt ein Feuer, die Stimmung ist gelassen und alles wirkt improvisiert und gemütlich. Genau das was Frau mag. Wir bleiben eine Weile und tauen langsam wieder auf. Der Wind und das diesige Wetter sind nicht wirklich nett. Danach geht es wieder rüber in die Stadt. Noch einmal durch die Gassen bummeln, lecker Essen und ein, zwei, drei Bierchen trinken. Hmmm lecker.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof kommen wir am Loveboot vorbeit. Die Grachten werden ja von zig Touribooten befahren und das ist ja so gar nicht unser Ding. Doch es ist Dunkel, die letzte Fahrt steht an, das Boot ist knatsche Orange und das dicke Loveboot gewinnt.

Wir fahren mit. Der Captain ist gut drauf, kurz vor Feierabend erzählt er uns einige Insider Geschichten von der Stadt. Wir staunen über die horenden Kosten der Hausboote in den Grachten. Die werden nicht verkauft, die werden vererbt. Neue Liegeplätze gibt es nicht mehr. Amsterdam ist auf Moor Boden gebaut und der hat die schlechte Angewohnheit bei Trockenheit die Fundamente nicht mehr zu halten. So kippen einige Häuser schon bedenklich schief zur Seite. Der trockene Sommer 2018 hat da sicherlich für neue Schäden gesorgt. Es rummst zweimal, so richtig zielsicher ist unser Captain nicht mehr. Das lange Boot rummst gegen die Kanalwände. Upps. Die dicken Gummikanten machen sich bezahlt. Oben am Grachtenrand sind PKW Parkplätze. Und sehr häufig landen die Autofahrer direkt in der Gracht. Optimal eingeparkt- doch der Platz zum Aussteigen ist nicht immer da- da geht es dann schwupps ins Wasser. Natürlich liegen auch unzählige Fahrräder in den Grachten. Die Amsterdamer haben schon mächtig Arbeit mit Ihren Wasserstraßen.

In den Straßen sind uns noch die kleinen E Flitzer aufgefallen. Alternativ zum Fahrrad, sitzt man hier nebeneinander und fährt mit Elektro Kraft durch die Stadt. Die Dinger düsen über die Radwege. Da wird es schon mal eng.

Die Bootstour ist ein schöner Abschluss und entspannt und voller Bilder geht es wieder mit der Fähre rüber zum Hasi. Am nächsten Morgen geweckt vom pong pong pong…fahren wir zurück. Diesesmal den direkten Weg über Utrecht, Venlo und ab nach Kempen.

Amsterdam wir kommen wieder, gerne im Frühjahr mit Sonne und ohne Mütze und Schal. Doch die Stadt hat noch soviele Dinge zu bieten, und zwei Stunden Anfahrt sind ein gutes Argument für die nächste Reise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich stimme zu.